29. September 2017 Tagung/Konferenz Unterdrückung, Widerstand und Kampf

Tagung zur Erinnerungsarbeit als Geschichtsschreibung «von unten»

Information

Veranstaltungsort

Freizeitheim Linden
Windheimstr. 10
30451 Hannover

Zeit

29.09.2017, 16:00 - 01.10.2017, 16:00 Uhr

Veranstalter

Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen

Themenbereiche

Geschichte, Ungleichheit / Soziale Kämpfe, International / Transnational, Gesellschaftliche Alternativen

Zugeordnete Dateien

Nach der Machtübernahme durch das islamische Regime im Februar 1979 wurden Frauen entrechtet, alle Parteien und Organisation illegalisiert, barbarische Angriffe auf die kurdischen Gebiete und auf die Stadt Gonbad in den turkmenischen Gebieten durchgeführt, Schlägertruppen installiert um revolutionäre Organisationen anzugreifen, unter dem Vorwand der Kulturrevolution wurden die Universitäten angegriffen und „entsäubert“, und eine große Zahl von jungen politischen AktivistInnen
verhaftet. Hiermit hat das Regime damals schon mehr als deutlich erklärt, dass Unterdrückung von Andersdenkenden als unmittelbares Machtinstrument zur Stabilisierung und Etablierung seines Systems eingesetzt wird.
38 Jahre sind seit dem Beginn des brutalsten Zeitabschnitts der kontemporären Geschichte des Irans vergangen. In weniger als zwei Monaten wurden allein im Sommer 1988 tausende politische Gefangene erhängt. Die Dimensionen der Massenhinrichtungen waren gigantisch, um aber die Beweise zu vertuschen, wurden die Leichen nächtlich in geheimen Massengräbern verscharrt. Massenhinrichtungen wurden stark verschwiegen, so dass sogar die Familien der Angehörigen weder
über den Ort der Gräber noch über die Ermordung selbst informiert wurden. Letztendlich wurden die Fakten über das Verbrechen aufgedeckt. Damals unterstützten die imperialistischen Kräfte die Verbrechen mit stiller Genugtuung. Ihre Menschenrechteorganisationen schwiegen ebenfalls. Ein großer Teil dieser politischen Gefangenen waren Frauen. Sie wurden als Symbol des Widerstandes in brutalster und gewaltsamster Art gefoltert, auch um Frauen im Allgemeinen eine Lektion zu erteilen. Auspeitschen, andere Formen physischer Folter und Vergewaltigungen gehörten zu den Unterdrückungsmethoden in den Gefängnissen.

Die Tagung wird anlässlich der Massenhinrichtungen von politischen Gefangenen in den achtziger Jahren im Iran organisiert. Inhalt der Tagung ist Erinnerungsarbeit, die als Teil eines umfassenden sozial-politischen Projektes der Geschichtsschreibung „von unten“ verstanden wird. Ziel der Tagung ist es einen Raum zu schaffen, in dem Überlebende die Möglichkeit zur Bewahrung und Vermittlung ihrer Erinnerungen und aktiven Geschichtsverarbeitung erhalten, gegen den Strich des dominanten Diskurses über die Massenhinrichtungen im Iran. Erinnerungsarbeit als Erzeuger einer Erinnerungskultur sehen wir als Widerstandsstrategie gegen diejenige politische Macht, die unsere Geschichte schreiben will und die Narration jener, die Betroffene der politischen Gewalt waren und sind, unterdrücken will. In diesem Zusammenhang möchten wir als Teil der Erinnerungsarbeit auch die untrennbare Verbindung von Geschichte und Gegenwart beleuchten.

Im Fokus dieser Tagung stehen Entwicklungen seit den 1980er Jahren bis heute und damit die Veränderung von AkteurInnen, von den Zielen des Kampfes und von Gedenk- und Protestformen. Die Hintergründe dieses Zeitabschnitts sollen mit Zeugen, Überlebenden und Sozialforschern analysiert und diskutiert werden. Die Kontinuität der Gewalt bis heute, speziell die Unterdrückung von Oppositionellen in der Gegenwart, soll beleuchtet werden. Ein Thema in diesem Rahmen wird die Mutation von Gewaltformen sein.

Geplanter Ablauf:

Freitag 29.September 2017

Eröffnung
16:00-17:00 Eröffnung: Musik;

Begrüßung durch das Veranstaltungskomitee, Rote Hilfe, Die LINKE

Thema: Gewalt und politische Unterdrückung

17:30-18:15 N.M., Analyse
18:00-19:30 Diskussion
19:30-20:15 Pause
20:15- 21:00 Buchvorstellung neuer Bücher über die politischen Gefangenen im Iran
21:00-22:30 Film: Iran, ein großes Gefängnis. Regisseurin: Pantea Bahrami. Vorstellung/Einführung: XY

Samstag 30. September 2017

Thema: Widerstand und Kampf

9:00- 9:40 XY: Selbstbehauptung und Widerstand der politischen Gefangenen in Frauengefängnissen
9:40- 10:40 Diskussion
10:40- 12:00 Gewalt und Widerstand in den iranischen Gefängnissen. Diskussion mit ehemaligen politischen Gefangenen
12:00- 12:30 Kulturelles Programm
12:30- 14:00 Podiumsdiskussion
14:00- 15:00 Mittagspause

Formen des Widerstands

15:00- 15:40 XY: Ein Überblick über den Widerstand der Angehörigen der politischen Gefangenen bis heute
15:40- 16:40 Diskussion
16:40- 17:20 Widerstand und Kampf außerhalb der Gefängnissen
17:20 -18:20 offen
18:20- 19:30 Diskussion
19:30- 21:00 Abendessen
21:00- 23:00 Internationale Solidaritätsnacht mit politischen Gefangenen. Abschluss mit kulturellem Programm: Theater: XY. Musik: kurdische Musik

Sonntag 1. Oktober 2017

Berichte und Vorschläge

09:00- 11:0 Podiumsdiskussion mit politischen Gefangenen aus der Türkei, Deutschland, Spanien und Chile. Ein Beitrag zur Verstärkung der internationalen Solidarität zur Verteidigung der politischen Gefangenen weltweit.
11:00-13:00 Bewertung und Vorschläge für die nächste Tagung (2019). Diskussion mit den Teilnehmern
13:00-14:30 Mittagsessen
Abreise

Ausstellung vom 29. September – 1. Oktober 2017 Freizeitheim Linden, Windheimstr.4, 30451 Hannover
Arbeiten von KünstlerInnen, sowie Handarbeiten von ehemaligen politischen Gefangenen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und England.

Kontaktadressen:
Farkhondeh Taghaddossi
Telefon: 0049-511- 4108 689
Mail: pershia47@yahoo.de
Mila Mossafer
Telefon: 0049-179 2368 157
Mail: mossafer@aol.com

Standort